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Nostalgie pur: Retrogaming auf der gamescom 2015

gamescom Sonderausstellung "Retrogaming"
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Jedes Jahr strömen hunderttausende Menschen auf die gamescom nach Köln und bevölkern die Entertainment Hallen. Auch dieses Jahr wurde mit 345.000 Besuchern wieder ein neuer Rekord aufgestellt. Die Familienhalle 10.2 ist in der Regel ruhiger und „relativ“ entspannt. Dieses Jahr wurde jedoch das ebenfalls in dieser Halle befindliche Retrogaming Areal regelrecht gestürmt. Sicherlich durch die perfekte Position an zwei Haupteingängen, aber auch durch die vielfältigen Aussteller, die jedes Jahr unermüdlich diesen Bereich füllen und ihre nostalgischen Videospielstationen den Besuchern überlassen.

Sehenswerte Retrogamer

Die Anzahl der Retro-Aussteller ist seit vergangenem Jahr erneut gestiegen. Auf 1500m² gab es etwa 30 Messestände von Sammlern, Vereinen und Retrobegeisterten, die ihre Computer und Konsolen den Besuchern zum Spielen überließen oder ihre Sammlungen präsentierten. Einige Shops und das bekannte RETURN Magazin um Herausgeber Frank Erstling waren natürlich ebenfalls vertreten. Auch auf der Bühne konnten viele Vorträge und Konzerte angehört, sowie manch hoher Besuch gesehen werden. Beispielsweise kam Ron Gilbert, Schöpfer von Maniac Manson, Monkey Island und dem Kickstarter Thimbleweed Park, im Retrobereich vorbei und wurde von Sven Vössing interviewt. Classic Videogames LIVE hatte Heinrich Lenhardt und Boris Schneider Johne im Gespräch. Zahlreiche Musik-Acts beschallten täglich das Publikum, beispielsweise Tronimal mit seinen geilen Gameboy Beats. Auch die Jungs von Melted Moon kamen vorbei und spielten um die Wette ihre Gameboy Tunes. Chris Hülsbeck habe ich leider verpasst, hätte ich ihn doch zu gern an unseren Messestand vor den 90s Klassik-PC mit Extreme Assault gezerrt ;-). Witzig war das tägliche Aftershow-Schachspielen zwischen Organisator René Meyer und Lars Bernhofen. Während wir Aussteller zu den Zügen eilten, hielten sich die beiden mit langen und kurzen Rochaden in Schach. Sehr zum Leidwesen der Security, die es manchmal schwer hatte die Besucher vor der Bühne zu verscheuchen, während die Show in Gottschalk-Manier die regulären Öffnungszeiten ständig überzog.

Es gab auch einige Jubilare: die PS1 wurde 20, der ATARI ST und auch Tetris bereits 30 Jahre alt! Aus diesem Grund haben wir Tetris auf einem unserer MS-DOS Retro-Computer angeworfen und unsere Besucher spielen lassen. Das Bühnenprogramm war insgesamt sehr vielfältig. Am liebsten hätte ich mir alles angesehen und angehört, wären da nicht so viele Termine und eine endlose ToDo-Liste gewesen. Dennoch möchte ich – wie im vergangenen Jahr – ein paar ausgewählte Retro-Messestände vorstellen, die ich persönlich besonders spannend fand.

Pac-Man Brettspiel von Norman Sommer

Norman Sommer zeigte wieder sein handgefertigtes Whacky Wit Brettspiel, welches im Pac-Man Stil gehalten ist. Im Gespräch erzählte er mir die bewegende Entstehungsgeschichte des Pac-Man Brettspiels und wie er es ursprünglich für seinen totkranken Freund fertigte. Dieser liegt wegen eines Krebsleidens seit Jahren immer wieder im Krankenhaus. Damit ihm bei langen Aufenthalten nicht langweilig wird, scherzten beide welches Computerspiel er ihm mitbringen könnte und irgendwie ergab sich dabei die Idee eines Pac-Man Brettspiels. Norman überlegte und plante eine ganze Weile und setzte seine Vision letztendlich um. Heimlich baute er seinem Freund das Pac-Man Brett, um ihn damit zu überraschen. Seinen Fortschritt dokumentierte er in einem Blog. René Meyer entdeckte das Vorhaben und lud Norman ein, den Prototypen auf der gamescom auszustellen. Das kam bei vielen Besuchern richtig gut an und er erhielt wiederholt Kaufanfragen. So versuchte er nun mit Bandai Namco die Lizenzbedingungen für den kommerziellen Vertrieb auszuhandeln. Doch dort stellte man sich stur und verweigerte ihm die Lizenz. So wurde aus Pac-Man der kleine kugelige Whacky Wit (engl. für verrückter Geist). Das Design hat Normen leicht verändert, um keine Urheberrechte zu verletzen. 10 Kilo wiegt das hochwertige Spielbrett in seiner heutigen Form und wird in Handarbeit hergestellt. Durch die besonderen Materialien und Herstellungsverfahren in kleinen Serien ist das Pac-Man-Spiel ziemlich teuer, aber dafür etwas ganz ausgefallenes. Von den Besuchern wird es geliebt und eine eigene Meisterschaft hat sich ebenfalls etabliert. Neben dem kleineren Whacky Roll ist Normans neuester Streich eine digitale Variante von Whacky Wit, die mit dem witzigen Claim „Schnäpp die App“ beworben wird und für Android verfügbar ist.

Norman-Sommer-Whacky-Wit-gamescom-2015

Große XBox Geschütze

An unserem Nachbarstand fuhr Guy Mille richtig große Geschütze auf. Auf sechs Steel Battalion Monster-Joysticks konnten die Gäste Multiplayer-Schlachten mit großen Mechs austragen. Witzig war aber vor allem Guy’s Kleidung: er entwirft Muster im Retro-Design und lässt diese auf Stoff drucken, seine Frau schneidert ihm anschließend passende Hemden und Hosen im Retrogaming Style. Noch cooler sind natürlich nur die Shirts von unserem Sponsor! ;-) Überhaupt ist Guy ein sehr kreativer Mensch: wäre es nach ihm gegangen hätte er noch seinen eigens angefertigten 2,50m großen 3D Steel Battalion Mech mitgebracht. Der durfte aber aus Sicherheitsgründen nicht aufgestellt werden und so mussten mehrere kleine 2D Varianten ausreichen.

gamescom Sonderausstellungen „Before Mario“ & „Supersample: Pixels at an Exhibition“

Erik Voskuil hat dieses Jahr etwas ganz Besonderes mitgebracht. Er füllte sämtliche Vitrinen in der Mitte des Retro-Areals mit ausgefallenen Spielsachen aus seiner Nintendo Sammlung. In seinem Bestand ist nahezu alles was Nintendo ab 1965 bis zum Super Mario Siegeszug an klassischen Spielwaren herstellte. Darunter sind auch einige Kuriositäten und seltene Spielzeuge. Sein neues Buch „Before Mario“, welches der Ausstellung seinen Titel gab, konnte obendrein angeschaut, gekauft und vom Autor signiert werden. Das zweisprachige Buch (E/FR) ist mit detaillierten Grafiken, ja sogar Explosionszeichnungen, sehr schön bebildert und listet Nintendos Spielwaren enzyklopädisch auf. Voskuils Liebe zur Nintendo Geschichte kann aus seinem Buch direkt herausgelesen werden, weshalb ich an dieser Stelle eine klare Kaufempfehlung an Sammler und Nintendo-Freunde gebe.

„Supersample: Pixels at an Exhibition“ ist eine Kunstausstellung, bei der klassische Videospiele im Mittelpunkt stehen. An einer großen Wand konnten zahlreiche Werke der 20 Künstler und Illustratoren bestaunt werden. Sie fangen den Zeitgeist von Videospielen kunstvoll ein und interpretieren die nostalgischen Pixelgrafiken in zeitgenössigen Praktiken. Diese eindrucksvollen Bilder zeigen, dass Videospiele Kunst sind und andere Künste beeinflussen. Die Macher hinter Supersample haben es sich deshalb zur Aufgabe gemacht das digitale Kulturgut künstlerisch aufzuarbeiten und damit der breiten Öffentlichkeit eine Botschaft zu übermitteln: Spiele sind nicht nur als interaktive Unterhaltungsform zu verstehen, sondern auch eine kreative Ausdrucksform. In Acryl, als 3D Illustration oder auf Leinwand gemalt: Supersample zeigt Videospiele aus einer völlig neuen Perspektive. Wer die Supersample Ausstellung auf der gamescom 2015 verpasst hat, kann diese im September in den Niederlanden nachholen oder darauf hoffen, dass sie noch einmal in Berlin im Computerspielemuseum Halt macht.

Resümee zum gamescom 2015 Retrogaming

Ganz schnell war die weltweit größte Messe für interaktive Unterhaltung wieder zu Ende, doch die netten Menschen aus unserem Retro Areal bleiben im Gedächtnis! Alle Altersklassen waren hier vertreten: Die Jugendlichen, die das N64 von den großen Geschwistern noch kennen oder die Generationen, die mit MS-DOS, C64 oder den typischen Konsolen von Nintendo, Sega und Co. aufgewachsen sind. Auch die neuen Projekte, die von der aktiven Community jedes Jahr vorgestellt werden, sind immer wieder spannend. Zudem ist der Retrobereich sehr familienfreundlich: es ist witzig wenn Väter ihren Kindern erklären, dass sie dieses oder jenes Spiel in ihrer Kindheit gespielt haben und in nostalgischen Erinnerungen schwelgen. Dies zu beobachten macht mich glücklich und den Retrobereich so erfolgreich!

 

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