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Achtung 80er! Oder warum uns diese Dekade verfolgt – Teil 2/2

Teil zwei zum musikalischen 80er Rückblick.
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Was bisher geschah

Im ersten Teil meines 80er Rückblicks ließ ich die musikalische Seite der 80er und insbesondere das Jahr 1982 Revue passieren. Beiläufig warf ich die nicht ganz triviale Frage auf, wer eigentlich diese „Nora“ ist. Vielleicht hast Du die Lösung ja schon gefunden? Vielleicht auch nicht… Mit etwas Glück sind hier noch ein paar Hinweise versteckt, einen Blick in den vorherigen Artikel würde ich dennoch empfehlen! Aber kommen wir nun erstmal zu einem Instrument aus der Dekade, die mein Leben maßgeblich prägte und vielleicht ja auch eures.

Vom Synthie zum Kastrat

Während der Synthesizer die NDW als seine Konsequenz ermöglicht, so wird dieses Gerät zu Anfang der 1980er in der englischsprachigen Musik noch weitaus gezielter eingesetzt. Besonders auf den britischen Inseln wird durch New Wave sowie deren Ableger New Romantics und dem allgemeinen Synthie Pop das Gerät – insbesondere aufgrund rapid fallender Preise – hoffähig und auch in den Vordergrund gestellt. Viele Altrocker rümpften die Nase, erkannten aber schnell dass es nicht mehr ganz ohne geht.

 

Roland SH-101 – neben dem Yamaha DX7 omnipräsent

Roland SH-101 – neben dem Yamaha DX7 omnipräsent (Bild: pl.wikipedia.org , CC BY-SA 3.0)

 

Eine Zeit beginnt in der plötzlich jeder Musik machen kann. Es entstehen Bands und Projekte die bis heute wegweisend sind. Depeche Mode, Pet Shop Boys, Alphaville, OMD, Yello, Eurythmics, Tears For Fears und Visage – um nur einige wenige zu nennen. Viele der damaligen Projekte sind zwar nur One-Hit-Wonder, andere aber bis heute in den Charts vertreten. In der jetzigen, schnelllebigen Zeit ist das kein einfaches Unterfangen. 1991 bringen es Kraftwerk auf ihrer Welttournee mit dem Titel The Mix schlussendlich auf den Punkt. Als sie ihre selbstgebauten Taschensynthesizer während des Tracks Taschenrechner in die Menge halten und das Publikum wie wild drauf rumklimpern darf rufen sie eindringlich… „Jeder kann Musik machen!“ – ein Volltreffer!

 

 

Spätestens seit Ende der 1980er kann wirklich jeder Musik machen, denn die Sample- und Computertechnik ist erschwinglich und macht das Komponieren für alle zum Kinderspiel. Nur Ideen muss man selbst haben. Überspitzt aber richtig bringt es Hermann Haring 1984 auf den Punkt:

Popmusik ist populäre Musik in dem Sinne, dass jeder Mensch sich einen Casio kaufen kann, um die Hits seine Stars nachzuspielen. Und wenn er noch ein paar Mark mehr investiert, wird er womöglich ein Disco-Star. Für eine Woche.

 

– Taschenbuch „Rock aus Deutschland (West)“, rororo-Verlag – 1984

Sein Schlusswort in diesem Buch: an Weitsicht kaum zu überbieten!

Bis heute hat die Produktionsweise der 1980er Erfolg. Die Technik hat sich natürlich in der Zeit weiterentwickelt, aber die Produkte aus dieser Zeit klingen frisch wie aus der heutigen Zeit entnommen. Wer bis hier hin brav mitgelesen hat wird nun langsam erkennen warum diese Dekade heute noch so präsent ist. Weil sie frisch ist. Und, noch wichtiger, wegweisend.

Besonders im Multimediazeitalter, in dem die Vielfalt der Informationen gar nicht mehr zu ordnen ist, kommen die 1980er mit ihren politischen, ökologischen und gesellschaftlichen Problemen schon fast verklärt-romantisch daher. Das Erinnern an diese Zeit ist also weniger ein Phänomen sondern eher konsequent und scheinbar sogar stabil. Es war nicht alles besser. Aber anders. Und ganz sicher intensiver. Denn zu dieser Zeit war es noch nicht möglich in Sekunden hunderte Lieder herunterzuladen. Das geschah in Realzeit: man lud vom Radio „herunter“. Oder von der geliehenen oder gekauften Schallplatte. Mit dem sogenannten High-Speed-Dubbing ging das Kopieren zweier MusiCassetten sogar etwas schneller, dafür fehlten die Höhen. Bei Schallplatten ging das natürlich nicht. Außer man spielte die 33UPM-Platten auf 45UPM ab. Kastrat mal anders.

 

MusiCassetten

MusiCassetten – oben: „Ferienwunschprogramm“ vom 31.07.1983 [Teil 7], hr3, unten: Kopie meiner LP von New Order, 1983 – Kauf-MC vom Label Europa (Bild: eigene Aufnahme)

Copyright? Urheberrecht? Darüber machte man sich keinen Kopf. Die Musikindustrie sah das natürlich überhaupt nicht gerne. Kleine Anekdote: Das Tapen der aktuellen Hitparade im Radio war eine Kunst für sich. Wer erinnert sich nicht, wie wir den Moderator hassten weil er wieder in das Lied ‚reinquatschte? „Ich muss jetzt was sagen damit ihr euch die Platte kauft! Blablabla“. Auf seine Musiksammlung jedenfalls, sei es auf Schallplatte oder MusiCassette, war man stolz! Nicht wenige haben ihre Sammlung bis heute.

Wer ist denn nun diese Nora?

Auch wenn ich mir sicher Feinde machen werde, das war eben die andere Seite dieser Zeit. Der Erfolg gab ihnen recht, aber das Gewissen streikte. Und kein Einzellfall, nur eine Blaupause. Die Technik machte auch das möglich. Jeder kann Musik machen. Tja, schade eigentlich. Während ich diesen Text schreibe sind sie gerade wieder in die offiziellen Top 50 der LP-Charts eingestiegen. Best Of? Ein leerer Datenträger wohl. 30 Jahre gibt es sie schon. Diese 80er, tststs… Ihr wollt immer noch wissen wen ich meine?! Tja, Pech gehabt…

Ich weigere mich den Namen der Combo zu nennen! Die heutigen Möglichkeiten machen es euch aber einfach das selbst herauszufinden! Wenn ihr es wollt. Ihr wollt es aber gar nicht, glaubt es mir! So war es und ist es noch: kein Licht ohne Schatten und dieses letzte Beispiel ist nur eines von vielen. Immer vor Augen führen: Nicht alles war gut. Beileibe nicht.

Epilog

In diesem Artikel konnte ich natürlich nur einen kleinen Abriss darstellen, vielleicht muss man einmal ein Symposium anstrengen. Der Erklärungsversuch im musikalischen Umfeld ist nur ein Weg diese Dekade zu beleuchten. Die Komplexität ist zu groß, um genügend in die Tiefe gehen zu können. Ich hoffe trotzdem einen kleinen Einblick gegeben zu haben. Wenn ihr etwas beitragen möchtet: Kommentiert, gebt Kritiken und Anregungen. Bis dahin lege ich ein paar Scheiben auf. So nannte man das damals, in den 80ern.

Bleibt mir nur noch zu sagen: You can win if you want, Nora! Mist, das hätte nicht passieren dürfen! Bis nächstes mal.

Euer Slebon.

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