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Banished – ein Indiegame mit Blick auf Realität

Wenn Städtebau auf Survival trifft
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Wertung

8
7 Grafik
10 Sound
5 Story
10 Atmosphäre
8 Anspruch/Schwierigkeit
8 Gameplay

Die Siedler, Anno, Sim City, Tropico – im Bereich der Aufbaustrategie-Spiele kann dank dieser Serienerfolge nicht von einem Mangel gesprochen werden. Wieso sollte man sich also vom bewährten Spielkonzept entfernen und ein Indiegame namens Banished ausprobieren?

Shining Rock Software – das Entwicklerteam

Als erstes wäre natürlich das Entwicklerteam hinter Banished zu nennen. Shining Rock Software wurde im Mai 2011 gegründet und besteht aus Luke Hodorowicz und … nun ja, niemandem sonst.

Im August 2011 begann er im Alleingang mit der Programmierung, dem Artwork, der Audiokulisse und dem Spieldesign, um Banished letztendlich am 18. Februar 2014 zu veröffentlichen. Weiterhin folgten Updates und Dank eines Mod-Kits auch zahlreiche Erweiterungen aus der Community. Somit ist es auch möglich, anhand eines Mods Banished auf deutsch zu spielen. Mit Hilfe dieses Kits ist u.a. auch eine deutsche Übersetzung entwickelt und zur Verfügung gestellt worden. Alle Mods sind ingame über einen Mod-Button auswählbar, können aber auch extern eingesehen, heruntergeladen und bewertet werden. Neben der aktuellen Portierung auf andere Systeme, ist Hodorowicz aber auch einer Erweiterung durch weitere Spielelemente nicht abgeneigt.

My goal is to make simple and fun games for people to enjoy, similar to the enjoyment I got from playing shareware games back in the 1990s. I’ve been gaming and programming for a long time. I used to work as a professional graphics engine programmer making console games for about 10 years before going ‚indie‘.

It’s possible [that more features will be added], but undecided at the moment. I have a lot of ideas for expansions but I also want to prototype and make new games as well. The focus after release is going to be on the mod-kit and ports to other platforms. After that’s done I’ll decide what’s next.

Luke Hodorowicz

So bemerkenswert diese Eigenproduktion nun sein mag, reicht das alleine nicht aus, um Banished von den anderen etablierten Spielreihen abzuheben. Worin unterscheidet es sich also: der Story oder dem Gameplay?

Banished Review 2

Banished – Survival in ihrer einfachsten Form

Betrachtet man das Spiel nur oberflächlich, vermag man keinen großen Unterschied entdecken. Eine Gruppe von Ausgestoßenen (engl. banished) begibt sich mit einem Karren voller Ressourcen in ein fremdes, unbewohntes Landgebiet, um dort ein neues Leben zu beginnen. Es liegt nun am Spieler, diese Kolonie aufzubauen und aufrecht zu erhalten. An dieser Stelle ist aber eine wesentliche Abgrenzung zu anderen Spielen zu erkennen, nämlich die Erweiterung des Spielkonzepts um Survivalelemente. So muss man nicht nur für eine ausreichende Versorgung mit Nahrung und Ressourcen sowie der physischen und seelischen Gesundheit sorgen, sondern auch auf die Förderung von Nachwuchs Einfluss nehmen. Entgegen anderer Aufbauspiele liegt bei Banished die größte Gefahr nicht unbedingt in feindlichen Gegnern, Umweltkatastrophen, Epidemien oder Nahrungsknappheit, sondern dem natürlichen Tod im hohen Alter. Versäumt man von Beginn an ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen der Erweiterung der Versorgungskette und dem Wachstum der Population zu schaffen, kann es schnell zu einem Aussterben der Kolonie durch Überalterung oder lebensgefährdenden Engpässen in der Versorgung durch fehlende Arbeitskräfte kommen.

Banished Review 3

Simulation bis ins kleinste Detail – die Idee hinter Banished

Die folgenden vier Aufgabenfelder zeigen den eigentlichen Grundpfeiler von Banished, der das gesamte Gameplay entscheidend beeinflusst: die realistische Simulation.

  1. Nahrungsquellen

So reicht es nicht wie z.B. bei Siedler einfach auf das Farmgebäude zu klicken, um eine bestimmte Menge an Getreide zu produzieren. Für den Anbau von Feldern und Obstgärten benötigt man die jeweiligen Samen. Hat man diese nicht, muss man auf ein Händlerschiff hoffen, der genau diese Waren liefert. Gleichermaßen bleibt der Anbau von Tiergehegen sinnlos, solange man nicht mindestens zwei gleichartige Tiere besitzt, die sich fortpflanzen können, um einem Aussterben der Herde durch Überalterung entgegenzuwirken. Weiterhin wirkt sich neben der Größe der Anbaufelder auch das typische Klima, die Jahreszeiten, der Arbeitsweg und die Anzahl der zugewiesenen Farmer auf den jährlichen Ertrag aus. Hinzukommend benötigen Obstplantagen einige Jahre, um zu wachsen und Früchte zu tragen und sind wie die Farmen nicht vor Schädlingsbefall geschützt.

  1. Berufe

Eine weitere Besonderheit zeigt Banished mit der riesigen Anzahl an möglichen Berufen. Der Spieler entscheidet dabei selbstständig, wie viele Arbeitskräfte für ein bestimmtes Berufsfeld zugewiesen werden sollen. Arbeitskräfte ohne Zuweisung sind für den Ressourcenabbau außerhalb der Minen und Försterhäuser sowie dem Straßenbau und der Vorbereitung von Bauten zuständig. Besuchen Kinder eine Schule, brauchen sie länger zum Erreichen des Erwachsenendaseins, sind jedoch auch effizienter in ihrer Arbeit. Eine weitere Steigerung der Arbeitseffizienz wird durch die Herstellung von besserem Werkzeug (gehen seltener kaputt) und besserer Kleidung (bleiben bei Kälte nicht eher zuhause) erreicht. Ein weiterer Faktor ist die unterschiedliche Berufsgefahr. So ist das Todesrisiko für Minenarbeiter weitaus größer als für einen Lehrer. Stirbt ein Arbeiter mit einer spezifischen Berufszuweisung, übernimmt die nächste freie Arbeitskraft dessen Beruf automatisch.

  1. Einwohner

Jeder Haushalt hat sein eigenes Lager mit Lebensmitteln und Feuerholz, um nicht täglich zum Lagerhaus gehen zu müssen. Der Verbrauch an Feuerholz sowie Lebensmitteln ist abhängig von der Hausart sowie der Anzahl an Bewohnern. Bei guten Bedingungen leben die meisten Einwohner bis ins hohe Alter (80-90 Jahre). Dies kann durch eine ausgewogene Ernährung (Obst, Körner, Gemüse, Eiweiß) gesteigert werden, genauso wie u. a. der Bau eines Friedhofs der seelischen Gesundheit dient. Weiterhin entsteht Nachwuchs nur, wenn zwei nicht gleichgeschlechtliche, alleinstehende Erwachsene in ein leeres Wohnhaus ziehen können. Wird dies versäumt, bleiben sie bei ihren Eltern oder ziehen, falls kein Partner zur Verfügung steht, alleine oder mit anderen gleichgeschlechtlichen Junggesellen in ein freies Wohnhaus. Dort frönen sie ihr Leben lang dem Junggesellen-Dasein ohne für weiteren Nachwuchs zu sorgen. Eine weitere Besonderheit ist die Möglichkeit, wandernde Nomaden aufzunehmen. Dies kann zu einer Wachstumsvergrößerung führen, aber auch wie bei reisenden Händlern zu Epidemien, da aus fremden Ländern Krankheiten mitgebracht werden können.

  1. Handlungen

Befehle durch den Spieler werden nicht sofort ausgeführt und sind nicht absolut. So müssen Straßen erst durch Arbeiter abgebaut werden und Minen wie auch Friedhöfe bleiben teilweise für immer oder sehr lange Zeit vorhanden. Gerade bei den Friedhöfen zeigt sich die Nachvollziehbarkeit der Simulation, da Einwohner nicht einfach Grabsteine abreißen würden, um Platz für z.B. Wohngebäude zu schaffen. Auch das Upgrade eines Wohnhauses geschieht nicht plötzlich. Zuerst muss das Lager des Wohnhauses geräumt und dann der normale Bauprozess eingeleitet werden. Während dieser Zeit sind die Bewohner dieses Gebäudes aber ohne Heim. Des Weiteren sind in Banished jegliche Gebäude und Werkzeuge wie auch Kleidungsstücke von Beginn an freigeschalten. Es ist also nicht erforderlich, über Forschung oder Skillbäume diese erst zu entdecken.

Fazit des Banished Reviews

Das über 2 Jahre von Luke Hodorowicz in Eigenarbeit entwickelte Spiel Banished bringt einen lang ersehnten frischen Wind in das Genre der Aufbauspiele. Er konnte zeigen, dass es keiner großen Story, riesigen Wirtschaftsprozessen oder Kriegen bedarf, um ein Spiel komplex zu gestalten. Lediglich die realistische Darstellung der im Spiel gegebenen Lebenssituation und die Nachvollziehbarkeit der Handlungen der Einwohner reicht aus, um stundenlanges Spielvergnügen zu gewährleisten. Weiterhin wird man durch die stark variierbaren Karten und die Nutzung von Mods immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt und kann sich an unterschiedlichen Strategien ausprobieren – es gibt nicht nur eine Lösung.

Wer nun Interesse an Banished gekriegt hat, kann es sich direkt bei Shining Rock Software, aber auch auf Steam, im Humble Store und selbstverständlich bei GOG für ca. 18-20 Euro im Vollpreis kaufen.

Quellen: Alle Zitate entstammen der Webseite von Shining Rock Software bzw. Luke Hodorowicz.

2 Kommentare

  • Christoph sagt:

    Ich fand das Spiel etwas zu eintönig, mir hat dann irgendwann doch die mittelalterliche Kriegssimulation gefehlt. :D

    • Crimshi Crimshi sagt:

      Verständlich :) Irgendwann ist die gegebene Situation mit ihren Optionen ausgereizt, besonders wenn man einfach andere Vorlieben hat. Für mich persönlich war Banished wie gesagt ein frischer Wind. Wenn sich irgendwann die Spielmuster zu sehr annähern und wiederholen, ist es definitiv Zeit für eine Innovation. Deshalb sehe ich es auch eher als eine Grundlage für eine neue Art an Simulationsprinzipien, an die sich die nachfolgenden Spiele bestenfalls orientieren sollten.

      Apropos mittelalterliche Kriegssimulation.. dann kennst du bestimmt die Stronghold-Reihe, oder? Ansonsten würde ich sie dir empfehlen ;) Aufbaustrategie und Kriegsführung sind darin relativ gleich verteilt und die Simulationsart kommt der von Banished nahe, wenn auch nicht bei weitem so detailliert.

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