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Kampf der Titanen: Titan Rush für Android im Review

Jeder Fight ein Bossfight!
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worldwidedistribution.de

Wertung

8
10 Grafik
10 Sound
3 Story / Charaktere
8 Atmosphäre
9 Anspruch / Schwierigkeit

Das schöne an Indiegames sind die kreativen Ideen, die die Entwickler in ihren Spielen unterbringen. Ohne Marketing im Rücken, welches vorschreibt was sich wohl gut verkaufen wird, können die kleinen unabhängigen Entwickler ihrem Schaffensprozess freien Lauf lassen. Ein besonderes Highlight entdeckte ich neulich bei Twitter und zu meinem Glück wurde das Spiel vergangenes Wochenende auch direkt im Google Playstore veröffentlicht.

Titan Rush – Mischung aus Retro, Indie & Mobile

Der Google Playstore deutet schon an, dass es sich um ein Spiel für die mobile Android Plattform handelt. Genauer gesagt um ein 2D Sidescroller Shoot ‚em up wie R-Type oder Gradius, allerdings mit einem aufgemotzten, frischen Spielkonzept. Dazu gesellt sich die für Mobilgeräte typische Touchbedienung, mit der sich Titan Rush perfekt steuern lässt. Programmiert wurde das Spiel vom 25-jährigen niederländischen Indie-Entwickler Guus Thissen (GT). Warum er gerade einen herausfordernden Sidescroller programmiert hat, verrät er uns:

PN: You’ve made a Shoot ‚em up, so what was your reason to create such a game?

GT: What I personally don’t like about most mobile games is that they treat mobile users like infants – simplified and slow paced games, with happy vector-based graphics. I think mobile platforms have matured enough to support more detailed and spectacular games as well. What I tried to do is make a game with a high standard for visual/audio quality, combined with fast, old school gameplay.

PN: Talking about fast old school gameplay. To what extend is your work influenced by retro games or maybe by current games?

GT: I’d ray old school games as well as new ones. My big inspirations are Metal Slug, Gradius, Geometry Wars and Just Cause. I have a lot of fun designing over-the-top game elements.

Guus Thissen empfindet die meisten der mobil erhältlichen Spiele als weichgespülte Babykost: stark vereinfachtes Gameplay und langsamer Spielablauf waren für ihn der Grund, die mittlerweile erwachsen gewordene mobile Plattform mit einem entsprechend herausfordernden Spiel zu versorgen. Dabei sind ihm hohe Standards für audiovisuelle Qualität besonders wichtig. Auf die Frage welche Spiele einen Einfluss auf das Gameplay hatten, antwortete er spontan mit Metal Slug und Gradius. Und genau so fühlt sich sein Spiel an: fast-paced Gameplay in der Verpackung eines actiongeladenen Sidescrollers. Zudem hat ihn das farbenprächtige Pixelgewitter aus Geometry Wars, aber auch das actionbetonte Just Cause inspiriert. Mit diesem Einfluss lässt der 25-jährige Indie-Entwickler in Titan Rush ein buntes Feuerwerk vor der Kulisse einer fremden Welt abbrennen.

Titan Rush – Die Story

Die Story ist schnell erzählt und gibt dem Geschehen nur einen kleinen Rahmen: die Erde ist zerstört und Nachhaltigkeit wird viel zu spät zur obersten Priorität der globalen Agenda. Die Menschheit lebt bereits in Himmelsstädten, damit sich die Natur wieder ausdehnen und erholen kann. Doch trotz dieser späten Einsicht, bleibt Überbevölkerung ein unüberwindbares Problem, sodass mit der Kolonisierung des Weltraums begonnen wurde. Gewaltsam.

 

Einfach zu spielen, schwer zu meistern

Der Spieler übernimmt nun ein kleines Alienschiff und muss seinen Planeten, der stets hübsch animiert im Hintergrund zu sehen ist, gegen die humanoiden Invasoren verteidigen. Diese kommen mit ihren riesigen Schiffen – den Titanen – und sind mit schweren Geschütztürmen bestückt. Da das Spiel diese sogenannten Turrets per Zufall auswählt, spielt sich ein Level jedes Mal ein bisschen anders.

Um das eigene Schiff kreisen – ähnlich wie bei R-Type und Gradius – gleich mehrere Verstärkungsmodule, die unentwegt Raketen abfeuern. Das Schiff selbst dauerfeuert aus einer Plasmakanone. Der erste, für mich zunächst ungewöhnliche, Punkt ist, dass man als Spieler nicht sterben kann. Jedes Level kann also zunächst komplett durchgespielt werden. Um allerdings weitere Spielstufen (engl. Tier), bestehend aus jeweils 5 Levels, freizuschalten, muss möglichst fehlerfrei gespielt werden. Erst wenn eine Spielstufe gut genug abgeschlossen wurde, schaltet das Spiel eine neue, schwierigere Stufe frei. Ziel des Spiels ist es deshalb, so erzählt der niederländische Entwickler Guus Thissen im Interview, so wenig wie möglich getroffen zu werden.

Originally the game had a life/shield system where people could die and lose. As I tested the game with different people, however, I learned that some people got hit by the enemy over 25 times even on the very first tutorial level. For them, having a life/shield system would mean they could not even complete the first few levels. That’s not fun! So I decided to make the game about scoring stars (by not getting hit), rather than trying not to die. Now casual players can have fun by simply shooting at stuff, and hardcore players can try to master their evasive skills at the ridiculously difficult levels later in the game. Easy to play – difficult to master.

Guus Thissen

Als hartgesottener R-Type Zocker sollte fehlerfreies Spielen ja kein Problem sein. Weit gefehlt, denn hier kommen wir zum zweiten großen Unterschied, der das Spiel vom klassischen Shmup Genre abhebt: In jedem Level kämpft man der Reihe nach gegen einzelne, riesige Kriegsschiffe, wobei jedes einem Endboss aus den klassischen Shmups gleicht. Nicht umsonst heißt das Spiel Titan Rush, denn durch diese riesigen Titanen mit schier endloser Feuerkraft wird jeder Fight zum Bossfight. In diesem wahnwitzigen Feuerwerk nicht von Lasern oder Energiekugeln getroffen zu werden ist ein äußerst herausforderndes Unterfangen. Dies macht gerade den Reiz des Spiels aus und erfordert, wie einstige Spielhallenklassiker, viel Geduld und entsprechende Skills. Im Gegensatz zu R-Type oder dem Super Nintendo Hit Battletoads in Battlemaniacs ist aufgrund der unvorhersehbaren Turrets kein auswendig lernen von sich wiederholenden Spielschemata möglich.

 

Wegen des fehlenden Life/Shield Systems können auch Casual Gamer einfachen Zugang zu Titan Rush finden. Pro Gamer haben die Möglichkeit ihre Skills zu trainieren und alle Levels auf 100% zu spielen. Nebenbei werden XPs, also Erfahrungspunkte gesammelt. Diese ermöglichen ein automatisches Upgrade der Bewaffnung. Hier hätte ich mir mehr Freiheit beim Auswählen der Upgrades erhofft. So werden die Upgrades nur zum Beiwerk und entziehen sich dem direkten Einfluss des Spielers. Der Indie-Entwickler betont jedoch, dass er sein Spiel kostenlos um zusätzliche Funktionen erweitern will. Thissen plant weitere Turrets, neue Titanen und ganze Levels hinzuzufügen.

Developing a game like this is insanely complicated and time consuming. Now that I have a base that I think that works, I have something to expand on.

Guus Thissen

Über das etwas monotone Leveldesign kann man hinwegsehen. Die Levels sind – entgegen den Titanen – alle gleich aufgebaut und haben alle den selben Hintergrund. Dieser ist jedoch äußerst detailliert, denn in weiter Ferne können gerenderte Raumschlachten beobachtet werden. Insgesamt ist das Spiel grafisch auf sehr hohem Niveau. Dank des Octane Renderings von otoy, zaubert die Spiele-Engine grandiose Lichteffekte aufs Display und findet erstmals den Weg in ein mobiles Game. Die Grafikpracht wird nur noch von der atemberaubenden Soundkulisse übertroffen. Das Spiel sollte deswegen unbedingt mit Kopfhörern gespielt werden. Über die den Mobilgeräten innewohnenden Speaker gehen ansonsten die satten Bässe der Explosionen und die feinen Höhen der Laser und Lichtexplosionen weitgehend verloren. Die treibende Hintergrundmusik gefällt und wird auch bei längerem Zocken nicht langweilig. Die beschriebene Action wird im Release Trailer bereits deutlich:

 

 

Fazit

Titan Rush hat mich überrascht! Hin und wieder gibt es doch noch fordernde Spiele im Playstore, die nicht ausschließlich auf Casual Gamer abzielen und so aus der endlosen Masse an mobilen Games herausstechen. Grafisch ist das Spiel auf der Höhe der Zeit und zeigt was heute im 2D-Bereich möglich ist. Die Soundkulisse ist beeindruckend und erzeugt eine einzigartige Deep Space Fighting Atmo. Das etwas abwechslungsarme Leveldesign und ein paar Einschränkungen bei der Nutzerfreiheit sowie die unbedeutende Rahmenhandlung stören ein wenig. Immerhin plant der Entwickler hier nachzubessern. Dafür gibt es Action satt und eine einzigartig gute Mischung bekannter Spielprinzipien mit frischen Ideen. Audiovisuell superb! Das Spiel ist kostenlos im Google Playstore erhältlich und enthält zunächst fünf spielbare Level. Um alle 50 Level freizuschalten, sind schmale 1,95€ per InApp Kauf zu zahlen. Für das gebotene Spiel ist das mehr als fair!

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