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Auf der Jagd nach dem heiligen gamescom Gral – Tag 3: Habe ich ihn endlich gefunden?

72 Stunden auf der größten Spielemesse der Welt.
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Auf der gamescom 2018 haben wir im ersten Teil und im zweiten Teil schon so viel erlebt, sind durch Höhen und Tiefen gegangen und haben alte Klassiker und frische Ankündigungen entdeckt. Aber es bleibt die eine wichtige Frage zurück: Habe ich ihn gefunden, den heiligen gamescom Gral?

Jedem Gamertierchen sein Pläsierchen

Videospiele, oder sogar Medien generell, sind ein wahnsinnig subjektives Thema. Die einen lieben generische First Person Shooter, die sich von Auskopplung zu Auskopplung kaum verändern, andere lieben tiefschürfende Open-World RPGs, die man für ewig und drei Tage spielen kann und wieder andere quälen sich am liebsten mit stahlharten Platformern, bei denen jeder falsche Tastendruck bedeutet: Zurück an den Anfang!

Und die Industrie bedient uns alle. Für jeden Geschmack gibt es eine ganz eigene Nische, zu jeder Art Spiel eine Fangemeinde, die glaubt, dass es nichts besseres gibt, als dieses eine Videospiel, dass die Community zusammengebracht hat. Und dabei ist es völlig egal ob das Animal Crossing, Call of Duty oder No Man’s Sky ist. Was andere davon denken, das ist auch egal. Hauptsache, man hat Spaß und eine kleine Gemeinschaft, egal ob im Internet oder in der örtlichen Stammkneipe, die sich mit dir zusammen freut.

Jägerin des verborgenen Grals: Mein letzter Streifzug durch den gamescom-Dschungel beginnt

Tag 3 auf der gamescom ist nochmal aufregend für mich und vollgestopft mit Meetings. Meine geschundenen Füße tun mittlerweile schon morgens auf dem Weg zur U-Bahn weh und die Mitbewohner in meinem Airbnb hassen mich sicher, weil ich jeden Morgen um 6 die unglaublich laute Espressomaschine angemacht habe (Falls ihr das lest, es tut mir leid, aber ohne Kaffee ging es um die Uhrzeit einfach nicht.).

Aber all das beiseite geschoben, treibt mich mein Adrenalin, noch mehr neue und alte Spiele zu sehen, weiter an. Mittlerweile freue ich mich aber fast genau so sehr darauf, mit den Entwicklern zu sprechen, denen man ansehen kann, dass sie stolz auf ihr Spiel sind. Mit begeistertem Blick erklären sie mir jede noch so kleine Gameplay Nuance, die in keiner Review auf diesem Planeten Platz gefunden hätte.

Der Entwickler von Robothorium (Goblinz Studios), einem turn-based RPG-Spiel mit sehr interessanter Story, erzählt mir, dass er hofft, die Spieler verstehen die Geschichte, denn die findet er persönlich besonders gelungen und erzählenswert.

Man spielt als künstliche Intelligenz, die mit Hilfe von zahlreichen Robotern eine Revolution gegen die Menschen anführt. Es fordere den Spieler heraus, darüber nachzudenken, was einen Menschen ausmacht, sagt er, sein ganze Gesicht strahlt dabei vor Enthusiasmus. Als ich ihn frage, warum er ausgerechnet ein rundenbasiertes RPG entwickelt, obwohl diese schon lange aus der Mode geraten sind, lacht er und sagt „Because I just love turn-based RPGs and this one needed to be made“.

Robothorium Switch Preview

„Now I’ve got your ticket to hell.“

Auch bei Croteam ist die Stimmung heiter. Die kroatischen Entwickler sitzen doch tatsächlich an Serious Sam 4! Ja, den gibt es noch! Und dieses Mal sogar mit einer optionalen Open-World-Komponente.

Als ich die Frage stelle, die euch vermutlich auch auf der Zunge liegt, warum Serious Sam tatsächlich noch einen Nachfolger Titel bekommt, lacht Daniel Lucic von Croteam, und erklärt mir, das Serious Sam niemals wirklich aus den Köpfen der Entwickler weg war und sie wissen, dieses Mal wird das Spiel besser, blutiger und verrückter als jemals zuvor werden.

Sommerhitze volle Hallen: Ob die Besucher dennoch glücklich sind?

Auf den riesigen Boulevards der Entertainment Area ist es mittlerweile unglaublich voll geworden. Alle Flure, die ich überqueren muss, sind zu einer Art gamescom Frogger geworden und einige Besucher schauen mir wütend hinterher, als ich durch einen verbotenen Bereich gelotst werde, weil ein Verantwortlicher vor Ort mein pinkes Presseabzeichen gesehen hat.

Während ich mich von Fachbesucherbereich zu Fachbesucherbereich durchschlage, denke ich mir, dass ich vermutlich allein heute schon mehr Gesichter gesehen habe, als im ganzen letzten Jahr. Zusätzlich ist es draußen unglaublich heiß geworden und die gefühlten 40 Grad in den großen Hallen gehen an niemandem reibungslos vorbei: Überall in den Gängen sitzen Besucher auf dem Boden und erzählen sich, was sie heute alles gesehen haben.

Alle sind erschöpft, aber die wenigsten sehen unglücklich aus, vielleicht ein paar genervte Eltern hier und ein angeschlagener Schlangesteher da, aber durch welche Menge ich mich auch durchschlage, in den meisten Gesichtern sehe ich nichts als Begeisterung. Ebenso erlebe ich es hinter den hohen Media-Only-Mauern von Ubisoft. Auch hier sind alle Medienvertreter fröhlich und unterhalten sich über die Präsentationen, die sie gesehen haben. Eigentlich gar nicht so anders, als beim normalen Volk da draußen. Nur, dass es hier Stühle und Klimaanlagen gibt.

Ich bin beeindruckt: Headup Games bringt ausgefallenes Adventure heraus

Aber jetzt ist es soweit: Mein letzter Termin bei Headup Games verspricht nochmal einiges an Eindrücken. Nach 3 Tagen Dauerzocken und langen Gesprächen – nicht nur mit den Entwicklern über ihre Spiele, sondern auch mit meiner Mutter (trinkst du auch genug, mein Kind?) und meinen Freunden, die neugierig auf meine Eindrücke von Sekiro warten (die findet ihr in meinem vorangegangenen Bericht) – bin ich schon nur noch bedingt aufnahmefähig. Aber gerade jetzt gilt es nicht schlapp zu machen, schließlich ist der Name Headup fast schon ein Garant für hochwertige und ausgefallene Indiegames.

Mir wird vor Ort das ausgefallene Trüberbrook vorgestellt, ein halb animiertes und halb aus echten Modellen bestehendes Point-and-Click-Adventure aus der Bildundtonfabrik (btf) von Jan Böhmermann, die mit den beiden Pixel-Adventures Game Royal 1 & 2 bereits ihre Entwickler-Skills ausgetestet haben. Und mit dem Kickstarter-finanzierten Trüberbrook wollen sie es nun so richtig krachen lassen, denn nicht nur, dass das Spiel Referenzen zu Klassikern wie Akte X und Twin Peaks aufweist, nein, das Highlight ist die enorm aufwändige grafische Umsetzung: Alle im Spiel gezeigten Landschaften werden als Miniaturkulissen nachgebaut und dann wie in einem Filmstudio mit der richtigen Beleuchtung inszeniert. Dann wird ein Verfahren namen Photogrammetrie angewandt, um die Mini-Filmsets mit richtigen Tiefeninformationen zu digitalisieren.

Was sich nach einem der aufwändigsten Projekte seit dem Bau der Elbphilharmonie anhört, gipfelt in einem unverwechselbaren Artstyle, der mir nicht mehr aus dem Kopf geht. Und dabei habe ich noch nicht einmal die vielschichtige Mystery-Story erwähnt, die das Spiel erzählen wird.

Headup Games Trüberbrook

Auch in diesem Game geht es um die Bedeutung ein Mensch zu sein. Es ist besonders wichtig, den NPCs freundlich gegenüberzutreten und sich für sie zu interessieren. Auf meine mittlerweile fast automatisch abgespulte Frage „Warum ausgerechnet ein halb modelliertes, halb animiertes Point-and-Click-Adventure mit Twin Peaks Einflüssen?“ bekomme ich die Antwort, der Hauptentwickler des Spiels wollte das einfach schon immer machen.

Ich freue mich für ihn: Während es in den großen Studios vorwiegend um risikoarme Big Budget Produktionen geht, die eine enorm breite Masse ansprechen sollen, dürfen sich die Entwickler in Indiestudios noch kreativ austoben und können eher noch ihre persönlichen Ideen verwirklichen. Nice to know: Jan Böhmermann und Nora Tschirner werden übrigens als Voice Actor vertreten sein.

Habe ich den heiligen gamescom Gral denn nun gefunden?

Als ich mich von der netten Frau an der Congresszentrum-Ost-Rezeption verabschiede, bin ich ein bisschen traurig, dass nun alles wieder vorbei ist. Meine schmerzenden Füße und mein knurrender Magen leiten mich dennoch zielstrebig zurück zur Bahn und als ich abends im Sonnenuntergang am Rhein sitze und meinen mittelmäßigen Burger verzehre, fällt es mir plötzlich wie Schuppen von den Augen: Der heilige gamescom Gral, der Grund, warum ich und die anderen 369.999 Menschen hier in Köln sind, habe ich diesen nun eigentlich gefunden?

Vor meinem inneren Auge lasse ich die letzten paar Tage noch einmal Revue passieren und erinnere mich an das kleine Mädchen, dass unbedingt Sonic spielen wollte, die begeisterten Entwickler, die mir ihre ganz individuelle Kreation zeigten, an die Siebenjährigen, die mit Höllengeschwindigkeiten auf dem Weg zum Fortnite-Stand sind und an die 10 Minuten Wartezeit bevor ich Sekiro spielen durfte, in denen mir vor Freude und Aufregung fast die Tränen in den Augen standen.

Der heilige gamescom Gral, vielleicht sogar der heilige Gral in der ganzen Videospiel-Branche ist nicht etwa ein besonderes Spiel oder eine super Show von einem Top-Publisher, es sind 1. die 30 Leute am Factor 5 Stand, die einen Turrican-Mini-Arcade umringen, 2. die Besucher, die zwischen den Hallen in der Sonne sitzen und sich über ihre Lieblingsspiele austauschen und 3. all die Medienbesucher, die fieberhaft Content produzieren, um alle, die nicht hier auf der gamescom sein können, trotzdem teilhaben zu lassen. Nichts ist so beeindruckend und magisch wie die Begeisterung, die uns alle hier zusammengeführt hat.

Alle von Island bis Australien, die ihre Internetfreunde zum ersten Mal sehen und für Final Fantasy trotzdem 6 Stunden anstehen, weil man das halt eben in Kauf nimmt, und alle die von zuhause mitverfolgen, was in dieser Woche in Köln, auf der größten Videospielmesse der Welt, passiert. Und das hört auch nicht auf, wenn man zuhause angekommen ist und seinen Koffer auspackt. Das was uns alle zusammen bringt, die Begeisterung, die Nostalgie oder einfach die Freude an Videospielen, das ist der wahre heilige Gral, den man auf der gamescom finden kann. Und während ich versuche, die Wespen von meinem Getränk fernzuhalten, weiß ich, dass nächstes Jahr wahrscheinlich genau so aufregend sein wird, wer weiß, was die Branche bis dahin alles aus dem Hut zaubert. Ich für meinen Teil kann es nicht erwarten, das herauszufinden und meine Begeisterung darüber mit euch zu teilen.

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