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Early Access: Fluch oder Segen?

Für Spieler und Entwickler: Welche Vor- und Nachteile hat Early Access?
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Spiele schon vor dem Release spielen? Sich sogar aktiv an der Spieleentwicklung beteiligen? Unterhält man sich mit Gamern, sind das oft genannte Gründe, wieso Early Access von Videospielern angenommen wird. Die Entwickler werden dadurch bereits in einer frühen Entwicklungsphase unterstützt und die Community hat die Chance auf exklusive Einblicke ins Spiel und durch Feedback sogar die Möglichkeit, den Prozess der Spieleentwicklung maßgeblich mitzulenken. Eigentlich eine feine Sache – könnte man meinen – aber die Realität zeigt, dass dies nicht immer so ist!

Was ist Early Access eigentlich?

Bei Early Access handelt es sich in erster Linie um ein Finanzierungsmodell in der Videospiele-Industrie. Dabei wird ein Spiel bereits in einem sehr frühen Alpha- oder Beta-Stadium für die Community zugänglich gemacht. Während die Entwickler dadurch bereits erste Einnahmen erzielen, um die Produktion gegenzufinanzieren oder sogar in weitere Spielinhalte investieren zu können, haben die Spieler die Gelegenheit sich durch Feedback aktiv an der Entwicklung zu beteiligen und zur Verbesserung des Spiels beizutragen. Auf diese Weise erlebt der Spieler den Wandel eines sich in Entwicklung befindlichen Spiels und kann selbst die Fortschritte verfolgen. Der Spieler erlebt, wie sich neue Features und Spielinhalte auswirken, wenn die den Weg ins Spiel finden.

  • Sofortiger Zugriff auf Spiele die noch in der Entwicklungsphase stecken
  • Feedback kann maßgeblich die weitere Entwicklung bestimmen
  • Exklusives Erleben, wie neue Features und Spielinhalte nach und nach ins Spiel kommen

steam early access hinweis

Verschiedene Early Access Modelle im Detail

In den letzten Jahren begegnen uns Spielern, insbesondere auf Steam, vermehrt Spiele, die sich eines Early Access Finanzierungsmodells bedienen. Die meisten Indie-Developer benutzen dabei eins dieser beiden Modelle:

  1. Free 2 Play
  2. Upfront

Beim Free 2 Play Modell lässt der Name schon vermuten, dass der Spieler freien Spielzugang erhält und keine direkten Kosten anfallen. Ihr könnt also zunächst kostenlos spielen. Damit der Entwickler trotzdem finanzielle Ressourcen erhält, bieten diese Spiele zumeist inGame Käufe durch Mikrotransaktionen an, also das Bezahlen von kleinen Geldbeträgen für digitale Boni. Damit lassen sich oftmals Kosmetische Items, manchmal auch andere Boni oder Premium Zugänge mit spielerischen Vorteilen erkaufen. Mit Free 2 Play lässt sich mit Geschick eine Fanbase aufbauen, die das Spiel auch über den Release hinaus trägt. Ein Beispiel für dieses Modell ist das Roboter- und Weltraum-Actionspiel Robocraft.

Early Access Robocraft Free2play

Im Gegensatz dazu muss der interessierte Spieler beim Upfront Modell das Game zunächst für einen festen Preis kaufen. Je nach Spiel schwanken die Kostenpunkte etwa zwischen 10-25 Euro, womit der Spieleentwickler noch während der Produktion eine Anschubfinanzierung generiert, um seine Kosten zu decken. Schließlich können Indies oft nicht auf vorhandene Ressourcen zurückgreifen und mit dem Verkauf von fertigen Games die Entwicklung neuer Spiele bezahlen.

Zwei mögliche Upfront-Varianten

Beim Upfront Modell können die Entwickler verschiedene Wege gehen:

Eine Variante ist, dass der Spieler mit einem günstigen Preis zum frühen Kauf angeregt werden soll, wodurch sich eine Anschubfinanzierung ergibt. Wird das Spiel dann kontinuierlich erweitert und neue Spielinhalte hinzugefügt, erhöht sich der Preis später mit dem Release. Die Early Adopter werden belohnt, indem ihnen keine neuen Kosten auferlegt werden, schließlich haben sie das Spiel durch ihre frühe Bezahlung überhaupt erst möglich gemacht. DayZ ist hier ein klassisches Beispiel:

dayz early access preismodell

Eine andere Variante nutzen beispielsweise die Entwickler des Spiels Battlerite, welches zum jetzigen Zeitpunkt als Early Access Titel gekauft werden muss, jedoch zum endgültigen Release dann aber kostenlos sein wird. Durch die frühzeitig erhaltene Anschubfinanzierung sollen Kosten gedeckt werden. Zum Release wird das Finanzierungsmodell dann von Upfront auf Free 2 Play mit Mikrotransaktionen gewechselt. Der Benefit für den frühzeitigen Käufer liegt hierbei im exklusiven Zugriff auf die Spielinhalte und die eingeräumte Möglichkeit der aktiven Mitgestaltung. Außerdem erhält der Early Access Spieler über den Release hinaus weiterhin alle neuen Champions direkt und kostenfrei, wohingegen sich der spätere Käufer den extra Spielcontent über DLCs oder InGame Käufe zulegen muss.

Welche Vorteile ergeben sich für die Spieler?

Ein Slogan, mit dem oft für Early Access Spiele geworben wird, ist z.B.:

Early Access-Spiel: Erhalten Sie sofortigen Zugang und bringen Sie sich in die Entwicklung ein.

– Steam

Mit einem Gefühl der Exklusivität wird Early Access dem Spieler natürlich schmackhaft gemacht: Als einer der Ersten darf man ein bestimmtes Spiel besitzen, zocken, ja sogar Einfluss nehmen. So etwas ist insbesondere bei AAA-Titeln lediglich der Presse bzw. einem kleinen Kreis an Betatestern vorbehalten. Nun kann man selbst dazugehören. Außerdem kennen Spieler die ewige Warterei auf lange ersehnte Spiele, die teilweise erst nach vielen Jahren oder gar nicht erscheinen. Doch neben dem Zugriff auf die Spielinhalte sind auch die Vergünstigungen, die ich oben bereits beschrieb, gute Argumente für den Early Access.

Grundlegend ist auch der Vorteil zu nennen, dass manche Spiele durch Early Access überhaupt erst möglich werden bzw. in ihrer Entwicklung vorankommen können. Damit liefern die Spieler durch den frühzeitigen Kauf einen wichtigen finanziellen Beitrag zur Umsetzung des Spiels, ohne den das jeweilige Spiel möglicherweise nie entstanden wäre. Ob dies nun bewusst wahrgenommen wird sei einmal dahingestellt. Spätestens die in Aussicht gestellte aktive Mithilfe bei der Entwicklung dürfte jedoch ein positives Gefühl der Selbstwirksamkeit auslösen, hat man doch die Gelegenheit Einfluss auf die sonst unerreichbaren Spieleentwickler zu nehmen.

Unterm Strich erkauft sich der Early Access Spieler – je nach Spiel – Exklusivität, Einfluss, finanzielle Vorteile und ein Spiel, welches ohne seinen Kauf vielleicht nicht entstanden wäre. Doch hier steckt auch das Risiko.

Die Schattenseiten von Early Access

Natürlich sollte man realistisch bleiben, denn Early Access Spiele sind unfertig, bisweilen sogar verbuggt und instabil. Obgleich ein Spieler mit Feedback den Entwickler auf Fehler aufmerksam machen kann und sogar dazu ermuntert wird, Ideen und Anregungen zu liefern, so liegt es doch im Ermessen der Spielemacher, wie stark sie sich an den Forderungen Einzelner oder gar Community-Stimmungen orientieren.

Die DayZ Entwickler weisen beispielsweise deutlich auf den Alpha-Status, gravierende Probleme und potentielle Unterbrechungen im Spiel hin und warnen sogar vor dem Kauf, sofern man sich nicht aktiv in den Entwicklungsprozess einbringen möchte:

dayz early access alpha steam warning

Zugang zu einem Spiel zu erhalten, das eigentlich noch gar nicht offiziell erschienen ist, klingt natürlich erstmal sehr verlockend, aber die Erwartungshaltung sollte dennoch nicht zu hoch sein. Viele Early Access Spiele machen auf den ersten Blick einen guten Eindruck, doch fehlende Spielinhalte und Features oder Spielabstürze zeigen meist schnell, wie unfertig es ist. Als Folge kann sich Langeweile oder Frust einstellen. Vielleicht kommt dadurch auch weniger Spielspaß auf, als bei einem finalen Release möglich gewesen wäre. Außerdem gibt es keine Garantie, dass das Spiel jemals fertig wird.

Zudem verwenden auch AAA-Hersteller manchmal das Early Access Konzept – jedoch nicht als Finanzierungsmöglichkeit, sondern funktionieren es zur allgemeinen Verkaufsförderung zum reinen Marketinginstrument um: Nur wer Wolfenstein – The New Order kaufte, erhielt zwei Jahre (!) später Beta Zugriff auf das neue Doom. Stattdessen sollten sich AAA-Studios lieber diese Trends von Indie Entwicklern abschauen.

Wenn der Frühstart nicht gelingt: Gescheiterte Early Access Games

Negativ aufgefallen ist beispielsweise Earth: Year 2066. Das Spiel wurde im Jahr 2014 auf Steam für ca. 20 Euro als Early Access Titel vertrieben. Das Problem: Das Spiel war praktisch unspielbar. Die Kritik der Spieler entsprechend vernichtend. Noch gravierender war der Vorwurf, dass verschiedene Spielinhalte geklaut wären. Neue Updates gab es zwar, dreist wurden jedoch nur minimale oder gar sinnfreie Features eingebaut, z.B. Änderung der Fadenkreuzfarbe. Letztendlich löschte Valve den Titel von Steam und sperrte das Entwicklerstudio Killing Day Studios. Zum Glück für die hereingefallenen Käufer: Valve erstattete das Geld zurück – darauf kann man sich jedoch nicht verlassen!

Um es vorweg zu nehmen: Die Liste der gescheiterten Frühstarter ist lang und dieses Risiko kauft man bei Early Access, aber auch anderen Formen der Vorabfinanzierung immer mit! Beim Spiel The Stomping Land z.B. wurde sogar Betrugsverdacht gehegt und Under the Ocean wird sich vermutlich um Jahre verzögern. Bei Towns hingegen war es die finanzielle Fehlplanung, die dem Spiel trotz 200.000 verkaufter Einheiten den Tod bescherte. Und selbst Videospiel-Ikone Peter Molineux, bekannt für Klassiker wie Black & White, leistete sich einen Faux Pas, der seine Glaubwürdigkeit auf die Nulllinie stürzen ließ: So wartet der Curiosity Gewinner seit Jahren auf den lebensverändernden Gewinn und die Beteiligung an den Godus Einnahmen, die ihm in der Kickstarter Kampagne versprochen wurden. Godus befindet sich 4 Jahre nach dem erfolgreichen Kickstarter noch immer in der Early Access Phase – ein Release ist nicht in Sicht.

That, by any definition of the word, is life-changing

– Peter Molyneux

Minecraft zeigt, wie es klappen kann

Obwohl der Early Access Trend erst in den letzten Jahren wirklich Fahrt aufgenommen hat, gibt es schon länger Spiele, die Early Access starteten und zu einem großen Erfolg hatten. Eines der ersten und erfolgreichsten Beispiele ist die Indie-Produktion Minecraft. 2009 gab es die Möglichkeit sich in die Alpha Phase für einen geringen Preis einzukaufen. Nach dem erfolgreichen Release 2 Jahre später auf dem PC wurde Minecraft dann zum absoluten Hit – Dank Early Access und der Mithilfe vieler engagierter Early Access Spieler!

Hier zeigt sich auch, wie wichtig der Aufbau einer Community für den Erfolg eines Spiel sein kann, gerade wenn innerhalb der Spielerschaft noch Jahre nach der Veröffentlichung neue Features und Mods entwickelt werden, oder, wie im Fall des Modpacks Life in the Woods, sogar nochmal ein Hype um ein Spiel entsteht.

Minecraft Early Access

Weitere positive Titel sind das Dino-Survival Spiel Ark: Survival Evolved, das auf AMA2 basierende DayZ oder kleinere Titel wie Broforce.

Fazit: Kauft nicht die Katze im Sack!

Allgemein bewerte ich den Trend der Early Access Spiele positiv. Es ähnelt stark dem Konzept des Crowdfounding und unterstützt Indie-Entwickler besonders bei ihrer Kreativ-Arbeit und bei der Finanzierung. Wer sich für ein Early Access Spiel interessiert, sollte natürlich unbedingt vorher einmal Gameplay-Videos anschauen und Erfahrungsberichte lesen, um nicht die Katze im Sack zu kaufen. Zudem müsst ihr immer mit fehlerhaftem Gameplay und instabilen Spielen rechnen, schließlich handelt es sich um frühe Alpha- oder Beta-Versionen.

Viele positive Beispiele haben aber gezeigt, dass Early Access funktionieren kann. Deshalb wird diese Form des frühen Zugriffs auch in Zukunft Startrampe für erfolgreiche neue Spiele sein. Wenn Du schauen möchtest, welche Early Access Titel gerade verfügbar sind, findest Du eine lange Liste auf Steam und eine noch viel längere Liste auf Gamejolt.

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